Was ist Bindungsangst?

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Juli 14, 2011 | Männer und Frauen, Partnerschaft, Singles

Beziehungsangst 300x224 Was ist Bindungsangst?Es gibt Singles, die haben auf den ersten Blick alles, was man braucht, um auf einen potentiellen Partner Eindruck zu machen. Sie sind attraktiv, erfolgreich im Job, offen und kontaktfreudig, humorvoll, sportlich, mit einem großen Freundeskreis und Freude an einem aktiven Leben. Warum so jemand keinen Partner an seiner Seite hat, kann doch eigentlich nur eines bedeuten: er oder sie ist überzeugter Single, der auch ohne Partner glücklich ist und seine persönliche Freiheit genießt, die er nicht missen möchte. Auf Viele mag dies zutreffen, wieder andere aber sehnen sich insgeheim doch nach einer festen Beziehung und Bindung an einen Partner. Das Problem: sobald es irgendwie ernst wird in Liebesdingen, ergreifen sie die Flucht. Der Name für dieses Phänomen lautet Bindungsangst.

Wer an Beziehungsangst leidet, hat Angst davor sich auf dauerhafte, enge emotionale Beziehungen und Nähe einzulassen. Dies kann sogar soweit gehen, dass eine feste Beziehung als Gefahr angesehen wird, vor der man flüchten muss. Dabei kann diese Angst viele unterschiedliche Gesichter haben. Entweder, Betroffene sind zu schüchtern überhaupt den ersten Schritt zu wagen oder sie lassen sich erst gar nicht auf eine Beziehung ein, was sie sich selbst oft mit Aussagen wie „Ich bin nicht für eine Paarbeziehung gemacht“,  „Ich brauche keinen Partner, um glücklich zu sein“, „Mein Traumprinz ist bisher noch nicht aufgetaucht“ versuchen zu erklären.

Deutlich wird die Angst vor einer Beziehung aber besonders im Verhalten der Betroffenen, wenn sie beispielsweise hohe, teils unerfüllbare Forderungen an den (potentiellen) Partner stellen oder sich mit Absicht für jemanden entscheiden, der für sie selbst unerreichbar ist. Sei es weil er oder sie bereits verheiratet ist oder in einer anderen, weit entfernten Stadt wohnt. Charakteristisch für die Beziehungsangst ist auch, dass auf der Suche nach dem einen perfekten Partner häufig die Beziehungen gewechselt werden bzw. dass kurz nach einer Trennung bereits wieder eine neue Beziehung eingegangen wird. Oft ist es allerdings so, dass sich ein (potentieller) Partner, der sich für die Beziehungsphobiker interessiert, für sie selbst nicht als interessant erachtet wird. 

Besteht bereits eine Beziehung, können Unnahbarkeit oder Distanz aus nicht weiter nachvollziehbaren Gründen dem Partner gegenüber, das Unvermögen über die eigenen Gefühle zu sprechen sowie die strikte Ablehnung einer möglichen Heirat oder gemeinsamer Ziele weitere Charakteristika der Bindungsangst sein. Oder es kommt vor, dass ein Ende der Beziehung bewusst herbeigeführt wird, indem der Partner so lange provoziert wird, bis dieser sich trennt oder der / die Betroffene selbst überraschend die Trennung ausspricht, bzw. vor der Unterzeichnung des gemeinsamen Mietvertrags oder sogar der Hochzeit die Flucht ergreift. Dabei haben die Betroffenen selbst meist ein großes Bedürfnis nach Sicherheit, legen sich aus Angst vor Abhängigkeit aber nicht gerne fest, wobei emotionale Nähe und Rückzug sich auch oft abwechseln.

Hinter diesem Verhalten bzw. der Bindungsangst an sich stecken wiederum andere Ängste, die den Betroffenen allerdings nicht bewusst sind und die aus prägenden Erfahrungen in der Kindheit oder früheren Beziehungen stammen. Weil sie durch Enttäuschungen und Verletzungen gelernt haben, dass Nähe, Vertrauen oder Sich-Fallenlassen mit Gefahr verknüpft sind, wird die Nähe zu einem Menschen mit Schmerz assoziiert. Dies kann beispielsweise durch Überbehütung, dem negativen Vorbild der eigenen Eltern, Missbrauch, Scheidung oder Tod, ständige Kritik an der eigenen Person, der Bevorzugung eines Geschwisterkindes, einer schmerzhaften Trennung oder vielem mehr ausgelöst werden, wobei die Betroffenen aus Angst vor weiteren Verletzungen lieber darauf verzichten eine enge Beziehung einzugehen, als erneut verletzt zu werden.

Dies ist in den meisten Fällen auch mit einem äußerst geringen Selbstwertgefühl der Bindungsphobiker zu erklären, die durch ihre negative Einstellung sich selbst gegenüber unbewusst davon ausgehen, dass andere sie sowieso ablehnen werden, sei es von vornherein oder beim näheren Kennenlernen. Um sich selbst zu schützen lassen sie daher niemanden an sich heran, denn zu lieben bedeutet vor allem eines: sich selbst angreifbar zu machen. Langfristig gesehen überwindet seine Beziehungsangst daher nur, wer versucht die Gründe für seine Beziehungsphobie zu verstehen und zu überwinden, wobei eine Paar- oder Psychotherapie letztendlich der Weg zum Erfolg sein können.

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Comments (1)

 

  1. [...] Zügen. Wie bei allem im Leben folgen aber auf Sonnentage immer wieder einmal Regengüsse, auch Single-Blues genannt, an denen man sich von der Welt verlassen und einsam fühlt. Denn die Welt scheint [...]

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