Streiten, aber richtig!

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Juli 28, 2011 | Liebe, Partnerschaft

Warum streiten gut ist1 300x224 Streiten, aber richtig!Niemand tut es wirklich gerne, aber irgendwann passiert es doch wieder, entweder mit dem Bruder, den lieben Eltern, dem Nachbarn oder dem Partner. Man streitet. Über Gott und die Welt und viel zu oft über unbedeutende Kleinigkeiten. Mal leise zischelnd oder laut und impulsiv. Und während es Paare gibt, bei denen es alle paar Monate einmal kracht, streiten sich andere mitunter täglich. Über die Qualität einer Beziehung muss die Häufigkeit von Streitereien allerdings gar nichts aussagen. Dafür gilt aber andererseits: so ein Gewitter am Horizont vertreibt gerne einmal triste Beziehungswolken. Soll heißen: richtig streiten ist sogar gesund, wenn man ein paar Regeln im Umgang miteinander beachtet.

Robert und Svenja waren vier Jahre lang ein Paar, dann kam mit einem Mal das Aus. Von einem auf den anderen Tag hatten sich beide nichts mehr zu sagen und lösten die gemeinsame Wohnung auf. Komisch, hatte doch niemand der gemeinsamen Freunde sie jemals streiten gesehen. Ganz anders die Situation bei Paul und Anna. Hier fliegen öfter mal die Fetzen, gerne auch in gehobener Lautstärke oder im Beisein der gemeinsamen Freunde. Die kennen das nicht anders, allerdings sind Paul und Anna auch schon knapp 9 Jahre zusammen. Zufall?

Mitnichten, sagt Christian Thiel, Partnerschaftsberater aus Berlin. Denn wie oft sich zwei Menschen streiten sei keineswegs ein Indikator für die Qualität einer Beziehung. Viel wichtiger dagegen sei die Art und Weise des Streitens und wie viel positive und liebevolle Zeit zwischen den Streitereien liege. So könnten Paare, die sich niemals zofften innerlich irgendwann völlig erkaltet und einander fremd geworden sein, während leidenschaftlich Streitende immer noch das gegenseitige Kribbeln im Bauch spürten.

Hätten Robert und Svenja also einfach ein bisschen häufiger streiten sollen? Vielleicht, denn Streiten ist wichtig, dient es doch vor allem der gemeinsamen Kommunikation, bei der man sich mit dem Gegenüber (zwangsläufig) auseinandersetzt und die zwischenmenschliche Beziehung vertieft. Darüber hinaus fördert Streiten die eigene Persönlichkeitsentwicklung, sorgt dafür, dass man sich etwaige Probleme bewusst macht und erzeugt den Druck, der nötig ist diese anzugehen. Seinen Frust und Kummer über den Partner oder die Beziehung stattdessen in sich hineinzufressen kann einen also nicht nur die Beziehung kosten, sondern darüber hinaus auch noch krank machen und die Lebenserwartung verringern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Michigan, in der über 17 Jahre lang knapp 200 Paare beobachtet wurden.

Während diejenigen, die ihrer Unzufriedenheit keine Luft machten, ein erhöhtes Sterberisiko hatten – 23% dieser Paare starben innerhalb des Untersuchungszeitraums – lag die Sterbequote bei denen, die ihren Frust (teilweise) kundtun konnten bei nur 6%. Schuld daran ist nach Expertenmeinung, dass unterdrückte Konflikte zu einem Anstieg des Stresshormons Cortisol führten, was wiederum Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes und eine Schwächung des Immunsystems zur Folge hätten. Um ihren Ergebnissen mehr Gewicht zu verleihen, seien aber weitere Studien mit einem Beobachtungsrahmen von insgesamt 30 Jahren geplant. 

Allerdings will gesundes Streiten auch gelernt sein, denn Pöbeln und Beleidigen kann schließlich jeder. Oberstes Gebot beim Zoff haben also immer Fairness und Achtung vor seinem Gegenüber, damit die gegenseitige Wertschätzung gewahrt bleibt. Wer den Partner in blinder Wut als Arschloch, Schlampe oder Schlimmeres bezeichnet, muss sich nicht wundern, wenn dieser sich beleidigt zurückzieht und vielleicht sogar die ganze Beziehung in Frage stellt. Konstruktiv an seinen Problemen arbeitet aber, wer sich auf konkrete Ereignisse bezieht, in der Ich- statt in der man-Form redet, Vorwürfe und Verallgemeinerungen wie „immer“ / „nie“ unterlässt, dem Anderen zuhört, klare Wünsche äußert und von sich aus Kompromisse anbietet.

Hier kann es auch gerne einmal lauter werden, solange man am Ende bereit ist auch eigene Schwächen und Fehler einzuräumen und sich für ein etwaiges Fehlverhalten zu entschuldigen. Ganz wichtig hierbei: den Streit immer bis zum Ende führen und nicht einfach den Raum verlassen, um wütend davon zu stapfen. Je länger man einen Konflikt mit sich herumträgt, desto schlimmer erscheint er nämlich, bis man irgendwann einfach alles in Frage stellt. Lieber gemeinsam einen Haken unter das Streitgespräch setzen, sich verzeihen und den Blick auf das Positive in der Beziehung lenken. Versöhnungssex inklusive.    

Wie bei Vielem macht aber auch hier die Übung den Meister, obwohl sich schon viel mit der richtigen Einstellung erreichen lässt. Denn je positiver die eigene Einstellung zum Zoffen ist, desto eher kann ein Konflikt mit einem Happy End gelöst werden. Einer Streiterei also bloß nicht aus dem Weg gehen!

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